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Im Vordergrund stehen Schafe, im Hintergrund stellt ein Schäfer einen Elektrozaun auf.

Deutsches Zuchtzentrum für Soay-Schafe

Betriebsinformationen

  • Betriebstyp: Nebenerwerb
  • Betriebsgröße: Kernflächen: 30 ha in Tallage und 10 ha Almgebiet
  • Weidetierart: Schafe
  • Rasse: Soay-Schafe
  • Haltungsform: Wanderschafbetrieb mit mobiler Koppelhaltung, Weidehaltung: 1. April bis 31. Dezember (Bockherde), ganzjährig im Offenstall (Mutterschafe)
  • Anzahl Weidetiere: Bockherde (45), Mutterschafherde (35), Nachzucht (50 Lämmer / Jährlinge)
  • Weidehaltung: Dauerweide (Mutterschafe), Koppel (Bockherde), Nachtpferch sowie Sommerverleih der Alttiere an Hobby-Schafhaltende
  • Region: Bayern

Herdenschutz

  • Festzaun mit Knotengeflecht und Elektrifizierung (Litze): 1,60 m
  • Doppelzaunsystem: Netze (stromlos mit Bodenlitze weil behörnte Schafe) innen zur Weidefläche hin, nach außen fünflitziger wolfsabweisender Mobilzaun, kombiniert mit festen Pfosten und Abstandshaltern
  • eigens entwickeltes digitales Kontrollsystem zur Überwachung der Litzen und Torfunktion sowie Videoüberwachung des Nachtpferchs, automatisierte Kontrolle per Handy möglich.
  • mobiles Erdungssystem
  • Koppelschutzhund (Rasse Malinois, als Spürhund für große Beutegreifer und Wachhund in der Koppel ausgebildet)

Beschreibung

Christian Schäfer hat sich auf die Zucht der seltenen und behornten Ur-Schaf-Rasse Soay spezialisiert. Mit seinen Tieren, die in einer Mutterschaf- und einer Bockgruppe gehalten werden, beweidet er im monatlichen Wechsel Weideflächen in Tallagen sowie Brachflächen auf Almgebieten. Die Schafe werden dabei vor allem in der Biotop- und Landschaftspflege eingesetzt, insbesondere die wertvollen Biotope auf den Almlagen sollen erhalten und in die landwirtschaftliche Nutzung zurückgeführt werden.
 
In der Region ist bisher noch kein Wolf ansässig, es erfolgen jedoch seit 2011 regelmäßig Sichtungen von durchziehenden Einzeltieren und es fanden bereits Risse im näheren Umkreis statt. Der Betriebsleiter setzt sich deshalb bereits seit vielen Jahren mit für seinen Betrieb und seine Tiere passenden Herdenschutzmaßnahmen auseinander. 2014 und 2021 versuchte ein Wolf erfolglos die entwickelten Schutzmaßnahmen zu überwinden.

Eine besondere Herausforderung stellt das steile und felsige Gelände mit zum Teil hoher Schneelast auf den alpinen Weideflächen dar. Die Weidezäune müssen hier mit der Hand aufgestellt werden. Zudem erfordert der monatliche Wechsel der Weideflächen ein rasches Auf- und Abbauen stabiler Zaunsysteme. Christian Schäfer hat in Eigeninitiative ein modulares Doppelzaunsystem entwickelt, das nun in der Praxis erprobt wird. Dabei werden zwei mobile Zäune im Abstand von 25 cm an festen Pfosten eingehängt. Der den Weidetieren zugewandte Netzzaun hat  bei den Soay-Schafen nur eine stromführende Litze unten, um die behornten Tiere vom Zaun fernzuhalten und um ein Verheddern zu verhindern. Er kann für jede Weidetierart individuell angepasst werden. Der fünflitzige, wolfsabweisende elektrifizierte äußere Zaun lässt sich im unebenen Gelände mit zusätzlichen Litzen problemlos erweitern. Der definierte Abstand beider Zäune zueinander erhöht die Schutzfunktion und verkürzt den Arbeitszeitbedarf.

Über ein eigens entwickeltes digitales Kontrollsystem können die einzelnen Litzen sowie die Torfunktion und Videoüberwachung des Nachtpferchs per Handy automatisiert und kontrolliert werden.
 
Ein Koppelschutzhund, der auf Spuren großer Beutegreifer trainiert wird, ermöglicht es, eine Bär- oder Wolfspräsenz  unmittelbar vor Auftrieb oder während der Beweidung sofort zu erkennen, um geeigntete Maßnahmen rasch ergreifen zu können. Er verbleibt bei erhöhter Gefahrenlage als Wachhund in der Koppel bei den Tieren.

Kontaktmöglichkeiten

Betriebsleitung: Christian Schäfer

Bei Interesse an einer Herdenschutz-Schulung auf diesem Betrieb schreiben Sie bitte eine Nachricht an herdenschutz@dvl.org

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